Jugend aus der Krise
Die täglich neu erscheinenden „Geimpft-Selfies“ in den Sozialen Medien dokumentieren gerade sehr eindrucksvoll, dass die Impfkampagne in Luxemburg massiv an Fahrt aufgenommen hat. Alleine in der letzten Woche wurden rund 50.000 Menschen geimpft. Eine Altersgruppe, die sich noch einige Wochen gedulden muss, ist jene der U-30-Jährigen. Sie müssen vorerst vorsichtig bleiben, sich und andere konsequent vor dem Virus schützen und geduldig auf die Impfeinladung warten. Zur Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus sind dabei im letzten Jahr viele weiteren Unsicherheiten und Fragen hinzugekommen, die viele junge Menschen heute beschäftigen:
„Werde ich nach meiner Ausbildung einen guten und sicheren Job finden?“ - „Kann ich die kommenden Examen ohne Quarantäne oder Ansteckung schreiben?“ – „Dürfen auch wir wieder Freiheiten erleben, wenn alle anderen mit Impfzertifikat reisen, zusammen essen oder feiern dürfen?“ – „Können wir ins Auslandssemester oder zur Uni, wenn wir noch nicht rechtzeitig geimpft sind?“ – „Wann ist es an uns?“
Auch wenn sich alle über das Zurückgewinnen der Grundfreiheiten freuen, bei vielen bleibt die Sorge um die eigene Zukunft, das mentale Wohlbefinden, das Grundbedürfnis nach Gesellschaft, Freiheit und Normalität.
Jede Generation hat anders unter der Pandemie gelitten, die Älteren haben um ihr Leben gefürchtet, die Arbeitenden um ihre finanzielle Existenz, und die Jugend um ihre Freiheit, ihre Zukunft, ihre verpassten Erlebnisse und ihre ach so wichtigen Erfahrungen und Schritte ins Erwachsenwerden. Und genau diese Ängste bleiben noch etwas länger bestehen, klingen nach, haben bleibenden Schaden angerichtet und werden Spätfolgen haben.
Hierauf müssen wir besonders achten, wenn jetzt der Ruf nach Lockerungen der Einschränkungen für Geimpfte lauter wird. Hier dürfen gezielte Schnelltest- und PCR-Teststrategien für Noch-nicht-geimpfte nicht fehlen. Nur so kann garantiert werden, dass niemand diskriminiert wird. Nur so kann auch die Jugend, die bis jetzt so solidarisch war, auch an der Wiederöffnung teilhaben. Nur so können wir Reibungen zwischen Generationen vermeiden.
Dafür wird es wichtig sein, auch auf die Bedürfnisse der jungen Menschen zu hören, in den Dialog zu treten und auf die Ängste und Sorgen einer ganzen Generation einzugehen. Schulische Schwächen müssen im Sommer und den kommenden Schuljahren aufgefangen werden. Traumata und mentale Probleme, die durch die Krise verschärft wurden müssen angesprochen, behandelt und auch endlich von der Gesundheitskasse übernommen werden. Außerdem müssen wir ganz gezielt in die Beschäftigung vonJugendlichen, die nicht in Ausbildung, Arbeit oder Schulung sind, investieren, in Begegnungsorte und ins Zusammenkommen von Menschen, in die Jugendarbeit, in Kunst- und Kulturprojekte.
Die Pandemie hat multiple Facetten, wir haben auf viele bestmöglich reagiert. In den kommenden Monaten müssen wir bei unseren politischen Entscheidungen die gesamte gesellschaftliche Bandbreite im Visier haben. Wir dürfen in der Euphorie niemanden vergessen!